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Was bleibt? – Wie Corona unsere Systeme verändert

Corona durchdringt alle Systeme. Das eröffnet auch Chancen für eine Neuordnung. Einige Trends, die bisher eher unterschwellig wirkten, sind in kürzester Zeit zur gelebten Realität geworden. Corona ist ein globaler Feldversuch: Unzählige Menschen organisieren ihr Leben, ihren Alltag, neu. Ganze Unternehmen sind im Homeoffice. Messen finden in virtuellen Hallen statt. Der Handel läuft zum Großteil online. Kollegen, Familien, Freunde verabreden sich über Skype, Facetime oder Zoom. Nicht alles, jedoch vieles funktioniert. Wir alle sind gezwungen, uns dem Leben in atemberaubender Geschwindigkeit anzupassen. Sicherlich werden viele Menschen wieder zu ihren alten Mustern zurückkehren. Doch auch einige neue Strukturen werden sich etablieren.

Die Frage, mit der wir uns in den kommenden Ausgaben beschäftigen werden, klingt einfach, ist aber zugleich hochkomplex: Was bleibt? Was bleibt von all den Veränderungen, die wir gerade erfahren? Wie wird die grundsätzliche Reorganisation unseres Wirtschaftens und Zusammenlebens vor sich gehen?

Wir möchten uns in den kommenden Wochen mit diesen Themen intensiv beschäftigen und freuen uns auch über Ihre Anregungen. Wie gehen Sie mit den unterschiedlichen Themenbereichen in der aktuellen Situation um? Berichten Sie uns aus Ihrer Sicht: Was bleibt? Wir freuen uns auf Ihre Impulse: kontakt@drmaier-partner.de.

„Was bleibt?“ – Teil 1: Veränderungen im E-Commerce

Wie in vielen anderen Branchen, herrscht auch im E-Commerce und Versandhandel Ungewissheit aufgrund der momentan unberechenbaren Situation. Im heutigen Beitrag beleuchten wir die Veränderungsprozesse im E-Commerce. Wie geht es dem E-Commerce? Wie denkt und fühlt die Branche jetzt und wie sieht sie ihre eigene Zukunft? Welche Veränderungen stehen dem Sektor während und nach der Pandemie bevor? Wie wird sich das Kundenverhalten nach Corona in Anbetracht des „neuen“ E-Commerce in der Welt der Omni-Channel-Unternehmen verändern?

Was wir sehen: Die Branche boomt in vielen Bereichen

Amazon stellt rund 100.000 neue Mitarbeiter ein. Lagerkapazitäten werden auf Lebensmittel und Verbrauchsgüter ausgerichtet. Dass einige der ganz großen Player im E-Commerce von der Corona-Pandemie profitieren, nehmen wir in vielen verschiedenen Bereichen wahr. Die Verkaufszahlen von Haushaltswaren, Hygiene- und Gesundheitsartikeln sowie Unterhaltungsmedien steigen um ein Vielfaches. Der daraus resultierende Schluss aus Sicht des Verbrauchers ist einleuchtend: Der Branche geht es ausgesprochen gut! Die Annahme, dass die Krise den Handel, stationär wie elektronisch, verändern wird, liegt nahe. Der stationäre Handel sieht sich gigantischen Bedrohungen gegenüber. Vielleicht sind diese nicht ganz und gar existentiell, jedoch könnten sie gravierende Einschnitte in das Einkaufserlebnis aller Konsumenten nach sich ziehen. Die Bedeutung des Online-Shoppings könnte also noch weiter wachsen und das elektronische Einkaufen für uns alle noch normaler werden lassen. Dem E-Commerce tut diese Krise also wirklich sehr gut, oder?

Was wir nicht sehen: Große Teile der Branche sind besorgt

Der scheinbar florierende Handel über das Internet muss allerdings ebenfalls starke Einschnitte hinnehmen. Zwar boomen einige Branchen im E-Commerce momentan ganz extrem, allerdings ergeben sich auf der für den Nutzer unsichtbaren Ebene des elektronischen Versandhandels viele Hürden, die von den Unternehmen genommen werden müssen. Die größte dieser Hürden sind wohl die entstehenden Lieferengpässe und Verzögerungen beim Versand. Dabei sind beispielsweise Lieferungen aus China in der aktuellen Situation massiv beeinflusst. Der deutsche E-Commerce reagiert demzufolge höchst besorgt auf die aktuellen Entwicklungen. Wie Unternehmen innerhalb der E-Commerce-Branche die Pandemie wahrnehmen, hat der Bundesverband E-Commerce und Versandhandel Deutschland e.V. in einer Umfrage mit 135 Mitgliedsunternehmen ermittelt. Fast alle Unternehmen sind spürbar von Corona betroffen. Globale Lieferketten werden bereits bei mehr als der Hälfte der Unternehmen als betroffen wahrgenommen. Die Prognosen der Unternehmen für die Zukunft gestalten sich ähnlich besorgt. Generell wirkt und agiert der (Online-) Handel bislang zu großen Teilen sehr gegenwarts- und weniger zukunftsorientiert.

Weitere spürbare Auswirkungen für die Unternehmen sind ein höherer Krankenstand (etwa die Hälfte der Unternehmen) und weniger Bestellungen durch die Kunden (40,9% der Unternehmen). Der Ausfall von Messen und ähnlichen Großveranstaltungen beeinflusst die Online-Händler gleich auf mehreren Ebenen. Einerseits werden die Veranstaltungen teilweise ohne Kostenerstattungen abgesagt. Weiterhin wird die Planung zukünftiger Sortimente durch den Ausfall von Messen und die eingeschränkte Reisefähigkeit verzögert.

Wie sich die Branche durch die aktuelle Situation verändern könnte, zeigt eine Studie des eCommerce Competence Centers von Arvato Supply Chain Solutions.

Zunächst zeigt die Studie für deutsche E-Commerce-Unternehmen auf, dass das Ausmaß der Einschnitte sehr stark davon abhängig ist, wie sich die Situation ganz akut bis Ostern entwickelt. Demnach ist bei einem schnellen Erreichen des Peaks an Neuinfektionen mit einem etwas harmloseren Szenario zu rechnen. Wenn sich die vorbeugenden Maßnahmen mehr und mehr in die Länge ziehen, ist mit gravierenderen Einschnitten zu rechnen, da die Unsicherheit in der Bevölkerung bestehen bliebe. Diese Unsicherheit hätte in vielen Segmenten des Versandhandels und E-Commerce drastische Folgen und die Branchen würden sich aller Wahrscheinlichkeit nach unterschiedlich schnell – teilweise jedoch nur sehr langsam – stabilisieren und erholen. Die Beautybranche wird sich beispielsweise im Vergleich zur Fashion-Branche schneller stabilisieren. Produkte, die zum eigenen Wohlbefinden, der Gesundheit oder der Fitness beitragen, sind in einer Phase der Isolation stärker gefragt, als Ausgehkleidung. Auch Produkte für den Zeitvertreib und die Ablenkung werden mehr nachgefragt. Doch obwohl sich bislang keine eindeutigen Vorhersagen treffen lassen, gibt es Gründe zur Annahme, dass die Krise den E-Commerce und den gesamten Handel nachhaltig auch positiv beeinflussen kann. Ein Beispiel für ein solch positives Szenario und eine fortschrittliche Entwicklung, bei der Corona wie ein Katalysator wirkt, zeigen wir im folgenden Abschnitt.

Was wir sehen könnten:  Wie wird sich der Kunde verändern?

Mittel- und langfristig könnten große Teile der Wirtschaft durch die Pandemie in Kombination mit der digitalen Transformation von Wachstumsschüben profitieren, welche in solch großem Ausmaß bislang noch nie aufkamen. Eine Zukunftsprognose der Studie „Trends im Handel 2025“ von KPMG besagt, dass die Käufer in den nächsten Jahren höhere Erwartungen in Bezug auf Online-Services und den Omni-Channel-Gedanken der Unternehmen entwickeln werden.

Gerade diese Entwicklung könnte sich auch durch die Corona-Krise verstärken. Menschen vermissen das physische Einkaufserlebnis, doch gewöhnen sich zeitgleich durch die Anwesenheit zu Hause an ihr digitales Umfeld. Wenngleich das Einkaufsverhalten durch die anhaltende Unsicherheit in der Gesellschaft beeinträchtigt ist, die Menschen sind vermehrt auf digitalen Kanälen und Einkaufsportalen unterwegs. Die Kombination aus dem Drang, ein physisches Einkaufserlebnis im stationären Handel wahrzunehmen und einem stärker ausgeprägten digitalen Bewusstsein kann durchaus zu höheren Erwartungen an die Händler führen. Diese Entwicklung dürfte besonders für E-Commerce-Unternehmen mit physischen Touchpoints interessant sein. Der Omni-Channel-Gedanke könnte viel stärker gefordert werden als bislang angenommen. Digitale Touchpoints in den Stores, Click-and-Collect-Systeme und viele weitere physisch-digitale Hybridlösungen könnten mehr und mehr zur Selbstverständlichkeit werden.

Trotz aller Spekulationen: Branchenentwicklungen in dieser spannenden Zeit genau zu prognostizieren, fällt sehr schwer.  Der Verlauf der Corona-Krise in naher Zukunft in Deutschland und auf der gesamten Erde wird neue Schlüsse und Prognosen ermöglichen. Doch bis dahin gilt weiterhin: Die Verordnungen zur Eindämmung der Infektionsrate einhalten und gesund bleiben!